Einkaufen ohne Müll

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Die Idee kam Sara Wolf und Milena Glimbovski 2012 bei einem privaten Abendessen. „Beim gemeinsamen Kochen ist so viel Müll angefallen, dass wir dachten: Das muss man irgendwie angehen“, sagt Sara Wolf. Unverpacktes Einkaufen bedeute schließlich erheblich weniger Plastikmüll; außerdem würden weniger Lebensmittel weggeschmissen, wenn Kunden nur die tatsächlich benötigte Menge kaufen können…

Aus dieser Idee wurde erst ein Konzept, dann ein Business-Plan, dann Realität: Im September eröffneten die Gründerinnen in Berlin-Kreuzberg unter dem Namen „OU – Original Unverpackt“ ihr erstes Geschäft. Früher war in dem Ladengeschäft in der Wiener Straße 16 eine Metzgerei beheimatet. Die weißen, mit Stuck verzierten Decken sind aus dieser Zeit ebenso erhalten geblieben wie die weiß und blau gekachelten Wände. Für das Ladendesign hat Architekt Michael Brown von NAU Berlin diesen sauberen, eher kühlen Look aufgegriffen und die Einrichtung mit Glas und Metall, hellem Holz und weißen Fliesen gestaltet. „Das Design soll an jedem Standort sehr clean sein“, sagt Sara Wolf.

Dass Wolf und Glimbovski mit ihrer Idee einen Nerv getroffen haben, zeigte sich früh. Für die Gründungsphase erhielten sie ein Stipendium des von SAP geförderten Social Impact Lab, sie belegten beim Businessplan-Wettbewerb der Investitionsbank Berlin vordere Plätze und wurden vom Bundeswirtschaftsministerium als Kultur- und Kreativpiloten 2013 ausgezeichnet. Hinzu kam eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne: 20.000 Euro wollten die Gründerinnen über Startnext für ihr erstes Ladengeschäft sammeln, die Internetgemeinde stellte ihnen jedoch 115.000 Euro zur Verfügung.

Dieser erste Laden ist zunächst kleiner geworden als geplant. Auf etwa 60 Quadratmetern Verkaufsfläche können die Kunden zurzeit aus etwa 350 Produkten wählen. Brot, Obst und Gemüse zählen dazu, Marmeladen und Säfte, Trockenprodukte wie Getreide und Bohnen, Reis und Nudeln, Tee und Gewürze, aber auch Biere und Wodka sowie Kosmetikprodukte und Reinigungsmittel. Das lose Trockensortiment wird vor allem in sogenannten Bulk Bins angeboten, die im US-Einzelhandel bereits seit Jahren eingesetzt werden, flüssige Produkte kommen aus Spendern aus Glas oder Metall. Geeignete Umverpackungen – Beutel, Gläser, Dosen – können im Laden gekauft oder über ein Pfandsystem ausgeliehen werden. Wer eigene Verpackungen mitbringt, wiegt sie vor dem Einkauf im Eingangsbereich und versieht sie mit einem entsprechenden Etikett; abgewogen werden die Einkäufe dann an der Kasse. Für einige Details musste das OU-Team eine Weile tüfteln: Empfindliche Produkte wie Käse oder Tofu dürfen aus Hygienegründen nicht in mitgebrachten Verpackungen verkauft werden. Und während sich Nudeln oder Gewürze problemlos abwiegen lassen, musste für jede einzelne der angebotenen Flüssigkeiten der Grundpreis in Gramm zunächst aus dem Literpreis errechnet werden – Vorschrift des Eichamts.

Für das Konzept selbst haben sich die Gründerinnen ebenfalls intensiv mit dem Thema Verpackung beschäftigt. Gemeinsam mit „sehen und ernten“, einem studentischen Design-Netzwerk der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, entwickelten sie ihr Corporate Design. „Einerseits ist es natürlich die innovative Idee, die OU ausmacht, andererseits sollen Kunden vom neuen Konzept nicht verschreckt werden und auch keine Zweifel an Auswahl oder Qualität der Produkte haben“, beschreibt „sehen und ernten“ das Ziel. Zentraler Bestandteil ist das neue Logo, ein Signet aus den Konturen der Buchstaben O und U, das sich zugleich noch das Keyvisual für viele Anwendungen innerhalb des Ladens und in der Unternehmenskommunikation wiederfindet. Kunden und Mitarbeiter können sich beispielsweise bei der Wahl ihrer individuellen Jutebeutel, Geschenkgutscheine, Mitgliedskarten, Kaffeebechern bis hin zu Visitenkarten ein persönliches OU gestalten. Das Rot als Primärfarbe soll übrigens eine visuelle Nähe zu existierenden Supermärkten wie Rewe, Real, Kaiser’s oder Kaufland schaffen.

In Berlin suchen die Gründerinnen bereits nach einem größeren Standort, außerdem soll das OU-Konzept in Serie gehen. „Über Franchising wollen wir es überall in Deutschland möglich machen, unverpackt einzukaufen“, sagt Sara Wolf. Erste Gespräche mit Interessenten gibt es bereits, mögliche nächste Standorte sind derzeit Hamburg, Hannover und Freiburg. Franchise-Nehmer können nicht nur auf die Unterstützung des Berliner Teams setzen: Die Crowd, die die Realisierung des ersten OU-Standortes möglich gemacht hat, soll für jedes neue Geschäft mobilisiert werden.