Fit für das Arbeiten 4.0

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Digitale Neuerungen, Arbeitsverdichtung und demografischer Wandel verändern die Arbeitswelt. Neben neuen Risiken entstehen jedoch auch mehr Ansatzpunkte für Präventionsfachleute…

Die Welt verändert sich – und die Arbeitswelt mit ihr. Arbeitsverdichtung und längere Arbeitszeiten, mehr ältere Beschäftigte sowie eine im Zuge der Digitalisierung zunehmende Vernetzung, Erreichbarkeit und Kontrolle hat das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) als wichtigste Themen identifiziert, die Sicherheitsbeauftragten begegnen werden. Diesem sogenannten Risikoobservatorium zufolge beeinflussen aber ebenso altbekannte Aspekte wie einseitige ergonomische Belastungen und Lärm die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Aber auch falsche Ernährung und Bewegungsmangel gelten als wichtiger werdende Handlungsfelder, obwohl beides nicht direkt arbeitsbezogene Gesundheitsthemen sind.

Sicherheitsbeauftragte sind wegen ihrer Orts-, Fach- und Sachkenntnisse besonders gut geeignet, die neuen Herausforderungen in ihrem Arbeitsbereich zu erkennen und adäquat darauf zu reagieren. Auch der Gesetzgeber stellt gerade wichtige Regelwerke möglichst zukunftssicher auf. In der Novelle der Arbeitsstättenverordnung finden sich beispielsweise klare Regelungen unter anderem für Bildschirmtätigkeiten, Arbeitsplätze im Homeoffice und die Berücksichtigung psychischer Belastungen. Und angesichts der zunehmenden Digitalisierung wurde jetzt auch eine EU-Richtlinie über den Arbeitsschutz bei Gefährdung durch elektromagnetische Felder (EMF) in deutsches Recht umgesetzt: EMF können Implantate von Beschäftigten – Herzschrittmacher oder künstliche Gelenke – beeinflussen und unter Umständen sogar in ihrer Funktion stören.

Speziell die Digitalisierung der Arbeitswelt, also das Arbeiten 4.0, schafft neue Themen und gleichzeitig neue Möglichkeiten für den Arbeitsschutz. Die Digitalisierung macht mobil und flexibel, kann aber auch zur Ausdehnung von Arbeitszeiten führen. Sie ermöglicht innovative Fertigungstechniken, kann aber auch neue Unfallgefahren schaffen. Gleichzeitig können neue Techniken Präventionsfachleute unterstützen – beispielsweise mit intelligenter Sicherheitstechnik und altersgerechten Assistenzsystemen, Datenbrillen und digitalen Qualifikationshilfen. Persönliche Schutzausrüstungen (PSA) lassen sich ebenfalls vernetzen. Das vereinfacht nicht nur deren Management und Wartung, sondern kann in Verbindung mit Datenströmen von Maschinen und Sensoren auch Gefahrensituationen vermeiden oder abmildern.

Interview: Vielfalt als Herausforderung

Dr. Walter Eichendorf, stellvertretender DGUV-Hauptgeschäftsführer, zur Zukunft der Sicherheitsbeauftragten.

Die Arbeitswelt verändert sich spürbar. Wird sich dieser Wandel auf das Tätigkeitsfeld der Sicherheitsbeauftragten auswirken?
Die zunehmende Vielfalt in den Betrieben fordert die Sicherheitsbeauftragten schon heute. Früher hatten sie meist einen ähnlichen Hintergrund wie ihre Kolleginnen und Kollegen. Heutzutage sind die Betriebe bunter: Es gibt unterschiedliche Karriere- und Lebenswege. Da kann es schwierig werden, eine gemeinsame Sprache zu finden, um über Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu sprechen. Hinzu kommt, dass Arbeit mobiler wird. Unter diesen Bedingungen wird es auch schwieriger, Risiken zu thematisieren.

Sicherheitsbeauftragte sind ehrenamtlich und ohne Weisungsbefugnis tätig. Beeinflusst ein komplexer werdender Arbeitsschutz ihre Bedeutung in den Unternehmen?
Das kommt darauf an, wie wir dieses Amt gestalten. Sicherheitsbeauftragte werden besonders dort geschätzt, wo Arbeit mit Unfallrisiken verbunden ist. Wer weiß, wie man Unfälle verhindert, der hat auch ein entsprechendes Standing. Wo Technik Risiken zunehmend ausschaltet, könnte die Bedeutung der Sicherheitsbeauftragten also zurückgehen. Gleichzeitig verlangen flexible Arbeitsbedingungen nach mehr Gesundheitsschutz. Hier entsteht ein neuer Aufgabenschwerpunkt für Sicherheitsbeauftragte.

Stichwort Mensch-Roboter-Kollaboration: Halten Sie es für möglich, dass Roboter einmal zumindest teilweise die Aufgaben von Sicherheitsbeauftragten übernehmen können?
Eher nein. Maschinen können überwachen, aber nicht die Beratung durch Kollegen und Kolleginnen ersetzen.