Geschickt gehandelt

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someonePrint this page

Der effiziente Einsatz von Energie hängt nicht nur von technischen Maßnahmen ab. Auch die Kaufleute sind gefragt: Durch günstigen Einkauf lassen sich die Kosten für Strom und Wärme deutlich senken. Das zeigt das Oldenburger Modehaus Leffers…

In einem Punkt ist Peter von Elm zu keinem Kompromiss bereit. „Wir müssen alles tun, um für den Kunden eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen, die Lust auf Konsum macht“, betont der Prokurist von Leffers & Co., Oldenburg. Diese Wohlfühlatmosphäre hänge gerade bei Modehäusern von der richtigen Beleuchtung und angenehmen Temperaturen im Verkaufsraum ab – keine einfache Ausgangssituation angesichts der Aufgabe, die Energiekosten des Unternehmens zu senken. In Zusammenarbeit mit dem Mühlhausener BFE Institut für Energie und Umwelt fand Leffers schließlich trotzdem eine Lösung, die der Kunde nicht spürt und das Unternehmen nicht mit hohen Investitionen belastet: die bundesweite Ausschreibung der Stromversorgung sowie ein Betreibermodell.

Die Unternehmensgruppe Leffers/Lott besteht aus vier Modehäusern in Oldenburg, Leer, Lippstadt und Vegesack sowie einer Dienstleistungseinheit unter anderem für Logistik und Buchhaltung. Insgesamt werden pro Jahr rund 6 Millionen. Kilowattstunden Strom verbraucht, größter Verbraucher ist das Haus in Oldenburg mit 3 Millionen Kilowattstunden. „In unseren Häusern geht es um die Vermittlung von Emotionen“, erklärt Peter von Elm. Priorität habe der Verkauf – und damit die optimale Präsentation der Ware. „Uns wurde schnell klar, dass das Einsparen von Energie kein Weg sein würde, unsere Kosten zu senken.“ Aus mehreren Gründen: Aus Sicht von Leffers haben beispielsweise Energiesparlampen und LEDs die falsche Lichttemperatur, daher könne man mit ihnen die Waren nicht optimal in Szene setzen. Peter von Elm: „In allen Räumen, wo sich der Kunde bewegt, sind Energiesparlampen nicht geeignet.“ Auch eine Absenkung der Spannung sei keine Option, schließlich müsse ein Modehaus hell und freundlich sein – und angenehm temperiert: „Es ist keine gute Idee, die Raumtemperatur zugunsten eines niedrigeren Energieverbrauchs zu ändern. Der Kunde möchte die Ware in Ruhe anprobieren, zu jeder Jahreszeit, ohne zu frieren oder zu schwitzen.“ Die Anschaffung verbrauchsärmerer technischer Anlagen wiederum hätte hohe Investitionen bedeutet, die sich erst nach vielen Jahren rechnen – zumindest kurz- und mittelfristig auch kein Weg zur Kostensenkung.

Da die technische Seite kaum Ansatzpunkte bot, hat sich Leffers auf das kaufmännische Potenzial konzentriert: den optimalen Einkauf von Energie sowie ein individuell zugeschnittenes Betreibermodell. „Die Konzerne haben diese Methoden zur günstigen Beschaffung schon längst eingeführt, jetzt muss auch der Mittelstand diesen Weg gehen“, findet von Elm. „Das Gute sollten wir von den Konzernen ja lernen.“ Dem kann Thomas Langenbach vom BFE Institut für Energie und Umwelt nur beipflichten. „Auch kleinere Unternehmen können die Konditionen, zu denen sie ihre Energie beziehen, deutlich verbessern.“ Beispiele gerade aus dem Handel kennt der Projektleiter viele: Beim Kaufhaus M. Schneider in Offenbach war es möglich, allein durch Preisverhandlungen bei Strom, Fernwärme und Stromnetznutzungsentgelt die jährlichen Energiekosten von 160.000 Euro um rund 4 Prozent zu senken. Selbst das Überprüfen aller Unterlagen auf Fehlberechnungen beispielsweise bei Wandler- und Zählerkonstanten oder Umrechnungsfaktoren kann sich laut Langenbach wortwörtlich auszahlen, ebenso die Durchsicht der aktuellen Verträge. Ohne derartige Gegenmaßnahmen würden die Energiepreise zu einem stetig wachsenden Problem, auch wenn die aktuelle Finanzkrise gerade für ein wenig Entspannung sorge: „Die Industrie wird zumindest einen Teil der Kosten für CO2-Zertifikate einpreisen.“

Bei Leffers Oldenburg hat das BFE ermittelt, dass sich die jährlichen Energiekosten von 870.000 Euro um rund 14,4 Prozent senken lassen. Ein Schwerpunkt der Optimierung liegt auf den Strompreisverhandlungen: Wie grundsätzlich beim Sourcing findet sich der günstigste Lieferant nicht unbedingt vor der eigenen Haustür, daher wurde die Stromversorgung des Modehauses bundesweit ausgeschrieben. Den zweiten wichtigen Baustein der Optimierung bildet das Betreibermodell, je nach Branche auch als Contracting oder Outsourcing bekannt. Bei einem solchen Geschäftsmodell überträgt ein Unternehmen spezifische Aufgaben an einen Dienstleister; er kauft nicht mehr ein bestimmtes Produkt, um damit eine gewünschte Leistung zu erzielen, sondern kauft beim Dienstleister direkt diese gewünschte Leistung. „Sie kaufen also nicht mehr Strom, Öl oder Gas ein, sondern die Versorgung mit Licht und Klimatisierung“, erklärt Langenbach.

Das Prinzip: Die Versorger mit Strom, Öl und Gas liefern wie gehabt an den Einzelhändler. Dieser überlässt seine Anlagen einem Dienstleister. Im nächsten Schritt liefert und berechnet der Händler seinem Dienstleister Strom, Öl und Gas, der Dienstleister wiederum liefert und berechnet Licht, Wärme, Kühlung und Lüftung – dabei findet kein Geldfluss statt, da sich die Rechnungshöhen entsprechen und die Beträge miteinander verrechnet werden. Zusätzlich aber beantragt der Dienstleister beim Hauptzollamt die Erstattung der Strom- und Energiesteuern. Und diesen Erstattungsbetrag reicht der Dienstleister – abzüglich einer Servicepauschale – an den Einzelhändler weiter.

Diese Möglichkeit der Steuererstattung ergibt sich aus den Gesetzen zur Energie- und Stromsteuer (EnergieStG und StromStG). Demnach kann die Steuer für nachweislich versteuerte Energie  erstattet werden, wenn diese Energie ein Unternehmen des produzierenden Gewerbes für betriebliche Zwecke entnimmt. Der Begriff produzierendes Gewerbe umfasst Unternehmen der Elektrizitäts-, Gas-, Fernwärme- oder Wasserversorgungswirtschaft, also auch den vom Einzelhändler beauftragten Dienstleister – und dieser Dienstleister nutzt die entnommene Energie für betriebliche Zwecke, nämlich die Versorgung des Einzelhändlers mit Licht und Wärme.

Dienstleistungspartner von Leffers ist die Klein & Höse Energiegesellschaft, die inzwischen unter KEHAG Kasseler Energiehandel AG firmiert. Peter von Elm ist mit dem Betreibermodell sehr zufrieden. Das liegt an dem von ihm errechneten Potenzial der möglichen Steuererstattungen: Die Gesamtersparnisse auf Grundlage der Strom- und Energiesteuergesetze liegen demnach für Strom bei rund 19.885 Euro und für Gas bei 3.550,20 Euro je Gigawattstunde, für Öl sind es 1.602,28 Euro je 100.000 Liter. Peter von Elm: „Die Dienstleister müssen bezahlt werden, trotzdem bleibt für Leffers noch Geld übrig.“ Sparen lässt sich also auch bei gleich bleibendem Energieverbrauch.