Leben mit dem Klimawandel

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Das Klima ändert sich und mit dem Klima das Gesicht der Erde. In vielen Regionen sind die Lebensgrundlagen der Menschen gefährdet. Die Reduzierung von Treibhausgasen, die zum Klimawandel beitragen, ist und bleibt ein wichtiges Ziel. Zusätzlich gefragt sind jedoch auch Strategien, wie Menschen ihre Lebens- und Wirtschaftsweisen an die unausweichlichen Folgen des Klimawandels anpassen…

Randgebiete der Erde schaffen es selten in das Zentrum der medialen Aufmerksamkeit. Ende August jedoch verdrängte ein neuer arktischer Rekord selbst Themen wie die Euro-Krise und die Unruhen in der arabischen Welt von den Spitzenplätzen der Nachrichtensendungen: Das Eis der Arktis ist in diesem Sommer so stark geschmolzen wie nie zuvor. Die Eisdecke nimmt zwar jahreszeitlich bedingt in jedem Sommer ab, ist aber US-Forschern zufolge diesmal auf 4,1 Millionen Quadratkilometer zurückgegangen – das sind 70.000 Quadratkilometer weniger als noch vor fünf Jahren. Und im Vergleich zum Beginn der Satellitenaufzeichnungen im Jahr 1980 hat sich die Sommer-Eisfläche sogar halbiert.

Leidtragender ist nicht nur der Eisbär. Die am jährlichen Sea Ice Outlook beteiligten Forscher befürchten, dass wegen der starken Eisschmelze im Rest der Welt verstärkt Wetterextreme wie Dürren, Hochwasser oder strenge Kälteperioden auftreten werden. Zum einen verändert die Wärme im Polarmeer Winde und Luftaustausch in der Atmosphäre. Zum anderen zeigen Beobachtungsdaten und Studien, dass Extremereignisse – vor allem Hitzewellen und Niederschläge – in einem wärmeren Klima stark zunehmen. Und wärmer wird es weltweit. „Der Klimawandel findet statt und ist nicht eine Gefahr in irgendeiner fernen Zukunft“, warnt Michel Jarraud, Generalsekretär der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), angesichts aktueller Zahlen: Die 13 wärmsten Jahre seit Beginn der Klimadatenerfassung lagen alle in den vergangenen 15 Jahren.

Klimaskeptische Wissenschaftler bestreiten zwar die Zusammenhänge zwischen der Emission von Treibhausgasen und der Erderwärmung sowie die Szenarien, die andere Forscher aus den sich wandelnden klimatischen Bedingungen ableiten. Aber je länger und detaillierter die Datenreihen werden, umso schwerer sind diese Thesen zu widerlegen. Eine Studie des Max-Planck-Instituts für Meteorologie hat erst Ende Mai einen klaren Zusammenhang zwischen der zunehmenden Freisetzung vonTreibhausgasen und dem schmelzenden Polareis nachgewiesen; andere Faktoren wie Sonnenstrahlung, Vulkanausbrüche oder veränderte Windmuster wurden dagegen als Ursache ausgeschlossen. „Die Welt erwärmt sich aufgrund menschlicher Aktivitäten“, betont auch Michel Jarraud. Laut WMO wurden 2010 so viele Treibhausgase freigesetzt wie nie zuvor, Tendenz weiter steigend.  Und  die Forscher des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung gehen davon aus, „dass mehrere der beispiellosen Wetterextreme des vergangenen Jahrzehnts ohne die vom Menschen verursachte Erwärmung nicht aufgetreten wären“.

Wetter ist zwar nicht gleichbedeutend mit Klima, aber das Wetter hängt vom Klima ab. Den Potsdamer Wissenschaftlern zufolge haben Wetterextreme und -rekorde seit dem Jahr 2000 deutlich zugenommen. Allein 2011 verzeichneten demnach Behörden Hitzerekorde in Argentinien, den USA, im Kaukasus, in Indien und Neuseeland sowie am Südpol. Regenfall-Höchstwerte meldeten Australien und Japan, Pakistan und Indien, das südliche Afrika sowie große Teile von Brasilien, Kolumbien und Venezuela. Im Becken des Jangtse sowie in Ostafrika war es wiederum viel zu trocken.

Extreme mit Folgen: Laut WMO starben in den vergangenen 20 Jahren mehr als 700.000 Menschen als Folge extremer Wetterlagen. Betroffen von den Änderungen bei Wetter und Klima sind aber weit mehr Menschen, besonders von den eher schleichenden Prozessen: wachsende Wüsten, Veränderungen in der Tier- und Pflanzenwelt, Missernten, austrocknende Trinkwasserreservoirs, steigende Meeresspiegel. „Klimawandel ist nicht nur, wie zu viele Menschen noch glauben, ein Umweltthema“, sagte der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan 2006 beim Klimagipfel in Nairobi. Er bezeichnete die globalen Klimaveränderungen als eine allumfassende Bedrohung – für die Gesundheit und die Welternährung, für den Lebensraum in vielen Küstenregionen, für Frieden und Sicherheit.

Diese neue Sichtweise führte bei der UN-Klimakonferenz in Bali 2007 zu einem Paradigmenwechsel. Dort standen zum ersten Mal Diskussionen über die Anpassung menschlicher Lebensweisen an den Klimawandel gleichberechtigt neben dem bis dahin verhandelten Klimaschutz, also der Minderung des Ausstoßes von Treibhausgasen.

Den vollständigen Artikel finden Sie im Archiv von GIZ akzente.