Preiswürdig und profitabel

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Das Bautzener Intersporthaus Timm aus Bautzen und die Schweizer Migros sind die Preisträger des EHI-Energiemanagement Award 2010. Die Auszeichnung würdigt ihre wegweisenden Konzepte zur Einsparung und zum ressourcenschonenden Einsatz von Energie in den Verkaufsstellen…

Eines haben das Intersporthaus Timm aus dem sächsischen Bautzen und die Schweizer Migros gemeinsam: Beide Preisträger des diesjährigen EHI-Energiemanagement Award (EMA) haben umfassende Konzepte entwickelt, um in ihren Häusern den Energieverbrauch zu reduzieren und die verwendete Energie möglichst effektiv und ressourcenschonend einzusetzen. Bewusst haben sie sich nicht auf Leuchtturmprojekte beschränkt, sondern sich für ein ganzheitliches Energiemanagement entschieden – beispielhafte Konzepte, die die EMA-Jury ausdrücklich zur Nachahmung empfiehlt.

„Die beste Art zu sparen ist, das Geld nicht auszugeben“, betont Jerzy Timm. Er ist der technische Leiter des prämiierten Intersporthauses sowie selbstständiger Bauunternehmer, seine Frau Margita Timm ist Inhaberin des Bautzener Geschäfts. Der Neubau des 2008 eröffneten Sporthauses hatte den sportlichen Ehrgeiz des Ehepaares geweckt: Angesichts steigender Energiepreise und dem hohen Anteil der Energiekosten an den gesamten Gebäudekosten wollten sie ein Haus errichten, für dessen Betrieb möglichst geringe Aufwendungen anfallen. Das Ergebnis ist ungewöhnlich für eine Handelsimmobilie und eine Weltpremiere für ein Sportgeschäft: ein Passivhaus, also ein Gebäude ohne klassische Heizung, bei dem Wärmeverluste vermieden und Abwärmequellen optimal genutzt werden.

Wichtig ist bei einem Passivhaus natürlich die Gebäudehülle. „Wir haben für warme Schuhe, eine warme Jacke und eine warme Mütze gesorgt“, sagt Jerzy Timm mit Blick auf die Materialien sowie die Kennzahlen von Böden, Wänden und Dach. Für noch entscheidender hält er jedoch die technische Ausstattung. Sie ermöglicht, das Sporthaus komplett ohne fossile Energieträger zu heizen, zu kühlen und zu lüften. Denn eine geothermische Anlage versorgt das Haus über zehn Erdsonden, die 100 Meter in die Tiefe reichen, mit Erdwärme. Ihre Rohrsysteme in Fußböden und Decken halten die Temperatur im Innenraum konstant; Flächen zur thermischen Entlastung der Sonden wärmen außerdem die Kellerwände und halten den Parkplatz schneefrei. Bei der Lüftungsanlage sorgen Wärmerückgewinnung und passive Kühlung zu jeder Jahreszeit für höchste Energieeffizienz. Strom ist für den Betrieb der Haustechnik sowie der Beleuchtung zwar unverzichtbar, wird aber aus Wasserkraft eingekauft. Und auf dem Dach produziert eine Photovoltaikanlage mit 19 Kilowatt Nennleistung knapp 20.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr, „mehr als doppelt so viel, wie wir für Heizen, Kühlen und Lüften brauchen“, so Timm. Seinen Berechnungen zufolge hat das Gebäude 13 Prozent mehr gekostet als eine vergleichbare konventionelle Handelsimmobilie – eine Investition, die sich jedoch spätestens nach fünf Jahren amortisiert haben soll.

Auch bei der Schweizer Migros wird langfristig gedacht. Das Unternehmen setzt sich seit über 30 Jahren für einen nachhaltigen Umgang mit Energie ein – ein ebenso preiswürdiges wie profitables Engagement. Ihren CO2-Ausstoß beispielsweise konnte die Migros in den vergangenen 20 Jahren insgesamt um 49 Prozent senken, obwohl sich die Filialflächen im gleichen Zeitraum um 68 Prozent vergrößerten. Urs Berger, Leiter Energie und Haustechnik bei der Migros, setzt bei der systematischen Energiebewirtschaftung auf Kennzahlen. „Analyse darf natürlich nicht zu Paralyse führen. Kennzahlen können aber helfen, pragmatische Maßnahmen zu definieren und dann umzusetzen.“ Priorität hat bei der Migros die Steigerung der Energieeffizienz, vor allem im Bereich der stromintensiven Produktekühlung: Tiefkühlinseln verfügen deshalb über Glasschiebeabdeckungen, bei den Kühlmöbeln werden nachts Rollos heruntergezogen. Und mit Blick auf den Klimaschutz setzt die Migros auf unbedenkliche Kältemittel: Ammoniak für industrielle Kälteanlagen, CO2 für die Minus- und Pluskühlung in den Filialen. Die guten Erfahrungen, der energieeffiziente Betrieb und die Nutzung der Abwärme haben dazu geführt, dass die Migros CO2-Kälteanlagen in Super- und Verbrauchermärkten als Standard festgelegt hat. Aber auch die Erneuerbaren haben ihren festen Platz im Energiekonzept: Zum einen durch den Zukauf von Ökostrom, zum anderen durch inzwischen 14 Photovoltaikanlagen mit einer installierten Leistung von insgesamt 2,6 Megawatt. Und bei Neubauten setzt die Migros auf Minergie, den Schweizer Energiestandard für nachhaltiges Bauen. 16 Migros-Objekte sind inzwischen mit dem Minergie-Label zertifiziert. Berger: „Das macht die Migros zum Meister in der Schweiz.“