Type Hype: Design von A bis Z

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Liebhaber von Buchstaben, Zeichen und Zahlen haben in Berlin-Mitte ein neues Mekka. Der Design-Store Type Hype bietet über 2.000 eigene Produkte rund ums Alphabet – Paperware, Accessoires und Home Collection, Tableware und Feinkost…

Markenentwicklung und -kommunikation ist seit 17 Jahren die Profession von Kirsten Dietz und Jochen Rädeker. Jetzt haben die beiden Gründer der preisgekrönten Stuttgarter Agentur Strichpunkt ein ganz persönliches Projekt realisiert: Ihr Designlabel Type Hype ist eine Hommage an die Typografie; die über 2.000 Produkte rund um Buchstaben, Zeichen und Zahlen gibt es nicht nur via Online-Shop, sondern auch in einem Concept Store in Berlin-Mitte. Hinter der Ladentür des denkmalgeschützten Altbaus an der Rosa-Luxemburg-Straße erwartet die Kunden eine 100 Quadratmeter große Insel Analogkultur – „gemacht für all jene, die auch im digitalen Zeitalter anfassbare Gestaltung, hochwertig Gedrucktes und fühlbare Spitzenqualität zu schätzen wissen“, so die Gründer.

Die Produktkollektion von Type Hype bringt Lettern und Ziffern auf Dinge des täglichen Lebens und damit in die dritte Dimension – Decken und Kissen, Emaille, Glas und Porzellan, Karten, Poster und Notizbücher. Kirsten Dietz und Jochen Rädeker kommen beide aus dem Printbereich, und die Idee, Typografie auf Produkte jenseits von Papier und Pixeln zu übertragen, hat sie nach eigener Aussage schon lange gereizt. Die Designs entwickelten sie gemeinsam mit einem Strichpunkt-Kreativteam, sie werden in überschaubaren Serien in Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland gefertigt.

Type Hype soll für Qualität, Haltbarkeit, Nachhaltigkeit und sinnliche Haptik stehen. Die Designer setzen beispielsweise auf fühlbare Veredelungsprozesse wie Stanzung, Drucklack oder Tiefprägungen. Das Papier fertigt eine Firma am Tegernsee, wo noch von Hand geschöpft wird, die Kissenbezüge kommen aus einer österreichischen Leinenweberei, die Lederwaren von einem Handwerksbetrieb aus Berlin, das Emaille aus einer Fertigung im niederösterreichischen Mostviertel – inhabergeführte Manufakturen, wo noch der Chef selbst die Ware kontrolliert. Die Produkte werden in weiter verwendbaren Verpackungen verkauft oder verschickt, beispielsweise in stabilen Boxen mit Metallkanten, in denen später andere Dinge ihren Platz finden können.

Alle Produkte gibt es in Variationen mit Buchstaben und Zahlen, so dass Kunden nicht nur Einzelstücke kaufen können, sondern auch Produktsets, die zusammen ein komplettes Wort oder einen Namen ergeben. Und das in fünf Designlinien von puristisch bis verspielt, die eigene kleine Welten aufbauen und deren Elemente die Geschichten dazu erzählen. Die Linie „DIN Berlin“, ursprünglich eine in der 1920er Jahren für Siemens entwickelte Schrift, steht für klare Linien und Purismus in Schwarz, Weiß und Gold. „Luise“ ist verspielter und kommt aus einer Welt voller Retro-Romantik. „Made in Berlin“ ist eine farbige, kraftvolle Hommage an die Kreativmetropole Berlin, die monochrome Variante „Made in Berlin B/W“ erinnert an das Schwarzweiß eins Skizzenblocks. Und die „Hauptstadt“-Linie zeigt das Alphabet als abstrahierte Berliner Sehenswürdigkeiten in Pastell.

Der Manufakturgedanke bestimmt nicht nur das Sortiment, sondern auch die Einrichtung des Ladens. Den Industrie-Charme des Stores, der den passenden Rahmen für die  Produkte bildet, hat das Berliner Architekten-Duo Henning Ziepke und Ansgar Schmidt von s1 architektur entworfen. Schwarze Industrielampen und Leuchtstofflampen aus poliertem Aluminium hängen über Bleisatzkästen, hölzernen Tischvitrinen, luftigen schwarzen Stahlregalen und Fischgrät-Parkett. Eine noch voll funktionsfähige Korrex-Andruckpresse, rohes Mauerwerk und freigelegte Stuckrosetten verstärken die Werkstattatmosphäre – schließlich soll der Concept Store an eine alte Druckerei erinnern.

Wichtiger Bestandteil des Konzepts ist daher die Milchbar, an deren raumgreifendem Tresen aus Holz und Linoleum sich die Kunden auf Industriehockern niederlassen können. Früher mussten Setzer und Drucker wegen der gefährlichen Stäube beim Bleisatz literweise Milch trinken. Heute vertritt das Type-Hype-Team die Auffassung, dass Kreativität nicht nur geistige Nahrung braucht, sondern auch handfeste Kalorien: frische Milchprodukte aus Brandenburg, Kaffeespezialitäten aus Berliner Röstung sowie kleine, aber feine Slow-Food-Snacks von der Butterstulle bis zur Milchschokolade. Nachhaltigkeit trifft dabei Lebensgefühl, schließlich geht sowohl beim Design als auch bei Lebensmitteln der Trend weg von der Massenproduktion und hin zum individuellen, wertigen Produkt. Die Milch gibt es für die Kunden übrigens auch direkt aus dem Zapfhahn, zum Mitnehmen in die eigene Kreativwerkstatt.

In erster Linie ist Type Hype zwar ein Onlineshop, über den Kirsten Dietz und Jochen Rädeker seit November 2013 ihre Typografie-Produkte vertreiben. Mit dem Anfang Dezember eröffneten Concept Store in Berlin wollen sie jedoch die Marke erlebbar machen – wegen Haptik und Sinnlichkeit des Sortiments, aber auch wegen der Geschichten, die jede der fünf Designlinien erzählen soll und die man vor Ort am besten sehen und fühlen kann. Schließlich will Type Hype mit dem Konzept der unterschiedlichen Designlinien bewusst verschiedene Kunden und damit auch unterschiedliche Emotionen ansprechen.

Dieses Konzept und die Verbindung von Gastronomie und Shop ist geglückt: Type Hype darf sich in der Kategorie „Out of Line“ zu den „Stores of the Year 2014“ zählen. Auch etliche Produkte sind inzwischen preisgekrönt, sie erhielten unter anderem Awards des Type Director Clubs New York. Zu Ende erzählt sind die Designer-Geschichten damit aber noch lange nicht. In den Schubladen der Agentur schlummern noch viele Gestaltungs- und Produktideen, sagt Project Director Alexandra Storr. Und in Zukunft sollen ein Relaunch des Online-Shops sowie Events rund um die kulinarischen und typographischen Angebote den Type Hype noch besser erlebbar machen.