Wachgeküsst – die Königliche Gartenakademie

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Gabriella Pape hat sich einen Traum erfüllt: ein hochklassiges Zentrum für Gartenkunst und Gartenkultur in Berlin. Ihren Kunden öffnet sie darin die Tür zu einem Stückchen Paradies…

Als Gabriella Pape das erste Mal inmitten der überwucherten und verfallenen Gewächshäuser stand, rührte sich dort nichts – außer den Ratten, die inmitten des wilden Grüns die alten Tontöpfe klappern ließen. „Aber das Gelände hat mich einfach umgehauen: die Lage, die große ebene Fläche, die Gebäude, die Geschichte. Es passte alles.“ Vis-à-vis des Botanischen Gartens in Berlin hatte sie für ihren Traum, die hohe Schule der Gartenkunst zurück nach Deutschland zu bringen, endlich einen Ort zum Wurzeln, Wachsen und Blühen gefunden. Am 1. Mai öffnete die Königliche Gartenakademie ihre Pforten. Auf 9.000 qm Fläche gibt es für Gartenfreunde ein rundes Angebot an Pflanzen und Möbeln, Geräten und Accessoires, Vorträgen und Kursen – gerade einmal sechs Kilometer vom Ku’damm entfernt.

Der Großstadtlärm dringt nicht bis in den großzügig angelegten Schaugarten und die behutsam restaurierten Gewächshäuser, in die mehrere Händler, Dienstleister und ein Café gezogen sind. Die Idylle ist Teil des Konzepts. Die Königliche Gartenakademie soll Kunden Möglichkeiten zeigen, wie sie ihr privates Fleckchen Grün in ein persönliches Gartenparadies verwandeln können. „Gärtnern ist sexy“, findet Gabriella Pape und erzählt von ihren Erfahrungen in England: Dort hat sich der Boom, den in Deutschland seit einigen Jahren das Kochen erlebt, längst nach draußen fortgesetzt. Gerade junge Leute gärtnern dort mit Leidenschaft, und auch gestandene Geschäftsleute fachsimpeln bei Partys über ihre Rosen und Stauden.

Gabriella Pape muss es wissen, sie lebt seit fast 25 Jahren in England, das vielen als Mutterland der Gärten gilt. Ein logischer Schritt für jemanden, der sich seit Kindertagen den Pflanzen verschrieben hat: Die gebürtige Hamburgerin gärtnert, seit sie laufen kann, und wechselte schon als 15-Jährige von der Schule in die renommierte Baumschule Lorenz von Ehrens – als Tochter eines Architekten und einer Galeristin nicht unbedingt zur Freude der Eltern. Sie setzte sich durch, machte aber nach der Lehre doch noch das Abitur und ging zum Studium nach England. „In Deutschland konnte man damals nur Architektur oder Landwirtschaft studieren, nicht aber Horticulture, also Gartenbau.“

Nach dem Studium am größten botanischen Garten der Welt, Kew Gardens in London, und an der Universität Greenwich machte sich Gabriella Pape selbstständig und gründete 1992 gemeinsam mit der Gartenhistorikerin Isabelle Van Groeningen in England das Gartendesignstudio Landart. Gärten und Parks in Europa, Asien und Südamerika hat das Team gestaltet und für seine Arbeit renommierte Preise bekommen. 2007 gab es für einen Senkgarten auf der Chelsea Flower Show sogar die Silver Gilt Medaille – eine Auszeichnung, die bei Gartendesignern so begehrt ist wie bei Schauspielern der Oscar. Zu dem Zeitpunkt stand die Königliche Gartenakademie schon kurz vor der Bauphase. „Ich habe so viel sehen und lernen dürfen, dass ich unbedingt etwas davon weitergeben will“, sagt Gabriella Pape. „Die Engländer brauchen mich nicht wirklich. Da küsse ich lieber die Gartenkultur in Deutschland wach.“ Ganz wird sie ihrer zweiten Heimat aber nicht den Rücken kehren. „Ab und zu gehe ich zurück nach England, um meine Batterien aufzuladen.“

Als Standort für ihre Gartenakademie kam für die Gründerin von Anfang an nur Berlin in Frage. „Berlin wird von vielen Deutschen unterschätzt: Die Stadt wächst, lässt Neues zu, hat etwas Weltbewegendes“, begründet Pape die Entscheidung. „Außerdem“, fügt sie mit einem Augenzwinkern hinzu, „fahren Münchener und Hamburger eher nach Berlin als nach Hamburg beziehungsweise München.“ Hinzu kommt, dass die Königliche Gartenakademie auf einem Stück eben jener vergessenen deutschen Gartenkultur steht, die Gabriella Pape wachküssen will: Vor 100 Jahren zog die Königliche Gärtnerlehranstalt, die Peter Joseph Lenné 1823 in Potsdam gegründet hatte, nach Berlin-Dahlem auf das Gelände an der Altensteinstraße um. In Lennés Lehranstalt wurden Gärtner weitergebildet, die bereits eine praktische Ausbildung durchlaufen hatten. Das Angebot der neuen Gartenakademie richtet sich jedoch nicht nur an Profis, sondern an alle Garteninteressierten. Die Kurse der Englischen Gartenschule, die Isabelle Van Groeningen leitet, drehen sich um vielfältige Themen von den Grundlagen der verschiedenen Gartentechniken über die Planung von Gärten und die Auswahl von Pflanzen bis hin zu praktischen Aspekten des Pflanzens selbst, außerdem sind Exkursionen und Reisen im Angebot. Und wer bei der Planung des eigenen Gartens individuelle Hilfe haben möchte, bekommt sie – ab einem Euro pro Quadratmeter.

Was die Kunden auf den Ausstellungsflächen sehen oder bei Kursen im praktischen Einsatz erleben, können sie natürlich auch kaufen. Gabriella Pape lässt einen Teil der Pflanzen aus England kommen, viele werden vor Ort selbst gezogen. Außerdem hat sich die Unternehmerin für die Freiflächen und Gewächshäuser kompetente Partner gesucht. Auch aus finanziellen Gründen: Ohne Mieter hätte sie das Projekt nicht stemmen können. Zur Höhe der Investitionen möchte Gabriella Pape nichts sagen. „Wenn bei so einer Idee das Geld das Hauptmotiv ist, ist die Idee schon verloren. Wenn man etwas mit Liebe tut, trägt es auch.“ Daher hat sie bei ihren Mietern darauf geachtet, dass deren Angebote qualitativ hochwertig, die Konzepte nachhaltig sind.

Die Baumschule Lorberg ist mit ihrem Sortiment vertreten, außerdem „mohn und mehr“ mit Stauden, Einjährigen und Balkonblumen. Manufactum hat eine Außenstelle des Berliner Warenhauses eröffnet, Schwerpunkt des Angebots sind Gartenwerkzeuge und andere Utensilien zur Gartenausstattung – vom Grill bis zur Regenwassertonne. „Die Rosenkugel“ bietet exquisite Gartenmöbel und -accessoires an, außerdem Geschenke für Gartenfreunde und bunte Utensilien für den Gartennachwuchs. Technisches Know-how steuert Garten- und Landschaftsbauer Winklhofer bei. Hinzu kommt Gastronomie: Das Café Lenné serviert im ehemaligen Palmenhaus sowie im Garten Frühstück, Kaffee und Kuchen, kleine Speisen und süße Spezialitäten aus Berliner Manufakturen. Und die „Streitschule“ nutzt die entspannend grüne Atmosphäre für ihre Seminare.

Nicht nur das Angebot der Königlichen Gartenakademie ist ein stimmiges Gesamtkonzept. Gabriella Pape hat besonderen Wert auf die Gestaltung gelegt, die moderne Trends spiegeln, aber auch der Geschichte des Ortes Raum geben soll. „Die Handwerker haben sich selbst übertroffen“, beschreibt sie ihre Erfahrungen der sieben Monate dauernden Bauphase, die sie wegen Problemen mit dem Land Berlin in den Winter verschieben musste. Die Asbesttische der Gewächshäuser verschwanden, die bleibelasteten Böden wurden ausgetauscht, die alten Gestelle gesandstrahlt. Statt durch marodes Glas fällt das Licht jetzt durch moderne, zweieinhalb Zentimeter dicke Scheiben, der romantische Mittelgang zwischen den Häusern wurde restauriert.

Neben den Gebäuden laden auch die Freiflächen zum Flanieren ein. Die Tische, auf denen die Pflanzen präsentiert werden, hat Gabriella Pape selbst entworfen – „Tische aus schönen Materialien und in einer angenehmen Höhe habe ich nirgendwo gefunden“. Die großzügigen Gänge zeigen verschiedene Arten der Bodengestaltung: Jeder Weg hat einen anderen Belag und ein anderes Muster, verbaut wurden unter anderem brandenburgische Terrakotten nach historischen Vorlagen. Besonderer Blickfang sind die an Spalieren wachsenden Apfelbäume, die der Freifläche oberhalb des Bodens Struktur geben – und Kleinigkeiten wie die Einkaufskörbe aus geflochtener Weide oder die „Blume des Tages“, die sich in einer kleinen Nische des Mittelgangs versteckt. Und für das leise Klappern, das ab und zu über der Idylle liegt, sind inzwischen die Gäste des Cafés verantwortlich.

„Ein informierter Kunde ist ein besserer Kunde“

Gabriella Pape, Gründerin der Königlichen Gartenakademie, über verlorenes Wissen und den Ansatz der Königlichen Gartenakademie

Warum haben viele Menschen in Deutschland so wenig Bezug zu ihren Gärten?
Die Kunden wissen zu einfach wenig. Viele konzentrieren sich auf ihren Rasen, aber Rasen ist keine wertvolle Gartenstruktur – und auch eher langweilig. In die Restaurierung historischer Park- und Gartenanlagen wird viel Geld gesteckt, aber das in diesen Anlagen einst verdichtete Wissen, die Gartenkultur, die auch in alten Bauerngärten sichtbar wird, ist in den vergangenen Jahrzehnten verloren gegangen.

Wie wollen Sie das ändern?
Ich möchte Kommunikator sein zwischen der Phantasie der Kunden und ihren Grundstücken oder Balkonen. Es reicht nicht, palettenweise Pflanzen aufzureihen und die Menschen dann ratlos dazwischen umherirren zu lassen – die üblichen Gartencenter sind oft furchtbar ungemütlich. Neue Ideen brauchen aber fruchtbaren Boden und eine gedeihliche Umgebung. Daher geht es in der Gartenakademie auch um die Vermittlung von Wissen. Ein informierter Kunde ist einfach ein besserer Kunde. Weil er weiß, was er erwarten kann – und weil er nach dem Einkauf mit den Pflanzen und Dingen mehr Freude haben wird.

Erhöht dieser hohe Anspruch nicht auch die Hemmschwelle?
Wir haben das Gelände mit dem großen Tor bewusst offen gestaltet, der Kunde kann jederzeit wieder gehen. Bei den Kursen ist das Angebot vielfältig, einige dauern mehrere Tage, andere nur einen Abend. Auch für die Gartengestaltung gibt es einen Einsteigertarif, damit sich jeder, der Hilfe möchte, diese auch leisten kann. Außerdem wollte ich von Anfang an einen hellen, lichten Ort ohne Schwellenangst schaffen – das ist gelungen: Viele Menschen kommen wieder und wieder, nicht unbedingt weil sie etwas kaufen möchten, sondern weil sie bei jedem Besuch etwas Neues entdecken können.