PSAgA III: Mehr Sicherheit dank DEF

Zu einem umfassenden Programm zur Absturzsicherung gehört mehr als das Komponenten-ABC. Weitere wichtige Aspekte sind Rettungskonzepte, regelmäßige Trainings und spezielle Sicherungen für in der Höhe genutzte Werkzeuge.

Während das aus dem Englischen kommende ABC-Modell die drei zentralen Bestandteile von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz beschreibt, sind für ein Absturzsicherungsprogramm drei weitere Buchstaben wichtig: D für Rettungsausrüstung (Descent & Rescue), E für Unterweisung (Education) und F für Werkzeugsicherungen (Fall Protection for Tools).

D – Rettungsausrüstung

Die Rettungsausrüstung umfasst alle Mittel, um einen gestürzten und im Auffangsystem hängenden Menschen schnell und sicher retten zu können. Sie besteht typischerweise aus Abseil- oder Ablassgeräten beziehungsweise bei einer Rettung nach oben aus Winden oder Hubgeräten. Diese werden an dem Auffanggurt der verunglückten Person befestigt. Dieser wird manchmal mit zusätzlichen Gurten oder Schlaufen ergänzt, etwa wenn die Person bewusstlos ist und aufgerichtet werden muss. Hinzu kommen Hilfsmittel, etwa lange statische Kernmantelseile oder spezielle Rettungskarabiner mit großer Öffnung. Eine Norm für ein gesamtes Rettungsset gibt es nicht, aber die einzelnen Bestandteile müssen genormt sein. Wichtig ist vor allem, dass die Systeme für 200 Kilogramm oder mehr ausgelegt sind, um zwei Personen tragen zu können.

Wenn ein Mensch nach einem Absturz im Auffanggurt hängt, droht bereits nach 20 Minuten ein Hängetrauma. Dieser orthostatische Schock durch das Hängen im Gurt ist lebensgefährlich. Um sofort handeln zu können und nicht auf eventuell zu spät eintreffende Einsatzkräfte warten zu müssen, ist ein konkretes, praktisch erprobtes Rettungskonzept vor Ort wichtig – also geeignete Rettungsmittel und geschulte Helfer. Das verringert das Risiko, dass die Ausrüstung falsch bedient wird, ungeeignete Geräte verwendet werden oder Kollegen ungesichert ins Seil steigen. Lebenswichtig ist auch die richtige Erste Hilfe nach der Bergung: Um das übermäßige Rückströmen des gestauten Bluts (Reflow-Syndrom) zu verhindern, muss der Oberkörper des Verunglückten erhöht gelagert werden.

E – Unterweisung

In Deutschland dürfen PSAgA nur von Personen benutzt werden, die vor der ersten Verwendung und danach mindestens einmal jährlich fachkundig unterwiesen werden. Diese Unterweisungen müssen theoretische Inhalte und praktische Übungen umfassen und von einer befähigte Person durchgeführt werden. Dazu sind Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, da PSAgA zur Kategorie III gehören. Diese umfasst ausschließlich die Risiken, die zu sehr schwerwiegenden Folgen wie Tod oder irreversiblen Gesundheitsschäden führen können.

Im Rahmen der Unterweisung muss auch die Inspektion der Ausrüstung muss geschult werden, damit jeder Nutzer vor Gebrauch eine Sichtprüfung machen kann. Mindestens einmal jährlich muss die Ausrüstung von einem Sachkundigen geprüft werden, außerdem immer dann, wenn ein Sturz abgefangen wurde oder es sichtbare Beschädigungen gibt.

F – Werkzeugsicherung

Nicht nur Menschen können abstürzen, sondern auch Gegenstände. Um Personen auf dem Boden zu schützen, müssen daher bei Arbeiten in der Höhe herabfallende Werkzeuge oder Materialien verhindert werden. Direkt am Auffanggurt ist das etwa mit Fangbändern oder speziellen Halterungen möglich. Wichtig ist, dass das jeweilige Werkzeugfangsystem der zu sichernden Last entspricht und außerdem stoßdämpfend wirkt, um die beim Auffangen auf Körper, Gurt oder Anschlagpunkt wirkenden Kräfte zu reduzieren. 

Richtig lagern und reinigen

Auffang- und Rettungssysteme sollen nach Möglichkeit hängend aufbewahrt werden, in trockenen, nicht zu warmen Räumen. Darauf weist die BG RCI hin. Zudem sollen die Systeme nicht in der Nähe von Heizungen gelagert werden, nicht mit aggressiven Stoffen wie Säuren, Laugen oder Ölen in Berührung kommen und keinen UV-Strahlen ausgesetzt sein.
Unabhängig von der Beanspruchung altern Gurte und Verbindungsmittel. Daher gibt es für persönliche Absturzschutzsysteme eine maximale Benutzungsdauer. Diese legt der Hersteller in der Gebrauchsanleitung fest.
Reinigung und Pflege können die Nutzungsdauer verlängern und nach Bedarf erfolgen. Bei starker Verschmutzung sollten die Systeme allerdings unverzüglich gesäubert werden. Denn viele Partikel wie etwa Sand können Gurte und andere Komponenten mechanisch beschädigen.